In der Nacht zu heute endete die Sommerzeit.
Um Punkt 3.00 Uhr in der Nacht wurden in Deutschland und in der gesamten EU die Uhren um eine Stunde zurückgestellt worden. Es bleibt somit morgens wieder länger hell und abends wird es früher dunkel.

Kirchturmuhr der Heilig-Geist-Kirche in Teupitz
Kirchturmuhr der Heilig-Geist-Kirche in Teupitz

In Russland werden erstmals seit 30 Jahren die Uhren nicht wie im übrigen Europa um eine Stunde zurückgestellt. Auf Anordnung von Präsident Dmitri Medwedew wurde dort die Zeitumstellung abgeschafft.

Gedicht: Zeit

Es klingt ein Ruf aus alter, alter Zeit
an unser Ohr wie aus Prophetenmund:
Ist dir verborgen die Vergangenheit,
so tut sich dir das Werdende nicht kund.
Du willst so gern in deine Zukunft schaun;
da mußt du erst die Gegenwart begreifen,
und diese hat sich stetig neu zu baun
nach Normen, die aus dem Vergangnen reifen.

Sind diese Normen dir vielleicht bekannt?
Ward eine dir von ihnen offenbar?
Du kennst ja nicht das ferne, ferne Land,
in dem die Gegenwart einst Zukunft war.
Was kümmert dich das, was verschwunden ist!
Soll sich die Nachwelt nicht um uns bekümmern?
Es hat die Menschheit das, was sie vergißt,
zur Sühne auszugraben unter Trümmern.

Und solche Sühne ist auch unsre Pflicht,
die wir vergaßen, was die Vorwelt gab.
Erkennen wir der Menschheit Seele nicht,
so sind wir nichts, als dieser Seele Grab.
Drum wünschest du nach dieses, deiner Zeit
den Kommenden als lebend dich zu zeigen,
so geh zum Ursprung, zur Vergangenheit,
um dann belehrt aus ihr emporzusteigen.

Dort liegt der Quell, der unaufhaltsam fließt,
weil jede, jede Stunde vorwärts geht,
und sich als Tugend über den ergießt,
der dieser Stunden ernsten Wink versteht.
Von dort erklang zuerst das große Wort
vom Leben, von gesprengten Todesbanden;
von dort erklingt es heut noch fort und fort,
und wer es achtet, der ist auferstanden.

Dort liegt vergraben, was der Tag einst sagt,
der uns das Leben aus dem Leben gibt.
Dort liegt vergraben, was dies Leben fragt,
wenn man nichts als nur dieses Leben liebt.
So gehe hin, und forsche, forsche gern;
such nicht das Wort; such den, der es gesprochen;
dann leuchtet dir die Herrlichkeit des Herrn,
und alle Erdenketten sind zerbrochen.

Es wird für dich dann diese Spanne Zeit,
die du so fälschlich in Minuten trennst,
zum untrennbaren Teil der Ewigkeit,
die du als dir gehörig kennen lernst.
Du steigst empor, nicht wie man Stufen steigt;
es gibt für dich nicht Jahre und nicht Stunden,
und wenn sich dann dir keine Zeit mehr zeigt,
so bist du Sieger und hast überwunden.

Karl May (1842 – 1912)
um 1900 aus der Sammlung Himmelsgedanken
Zeitumstellung: Eine Stunde mehr am langen Wochenende
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